
Die folgende Chronik ist ein
Auszug aus der Projektarbeitsprüfung von den Gewichtheben Nico Höhn und
Christian Reuß
Die Entwicklung
des Gewichthebens in Gräfenroda
Anfang der 60iger Jahre, im
vergangenen Jahrhundert machten sich die beiden ehemaligen aktiven Sportler
Ernst Bauß und Sportlehrer Erich Gebhardt darüber Gedanken, für ehemalige
aktive Sportler eine Möglichkeit zum Sporttreiben zu finden. Der Sportler
Ernst Bauß (Verkäufer im Musikhaus Arnstadt) war ein ehemaliger Fußballer.
Der Sportfreund Erich Gebhardt (Sportlehrer) war ein Leichtathlet/
Kugelstoßer. Die beiden Athleten hatten versucht Menschen zu finden, die
dieselben Interessen hatten. Dies gelang den beiden und somit konnten sie
die erste Trainingsstunde starten. Sie haben zuerst mit allgemeinen
Sportübungen begonnen, wie z.B. Ballspielen, Bodenturnen und viele andere
Übungen. Bei ihren Aktivitäten fanden sie alte Kraftsportgeräte (Kugelhantel
und eine alte Turnsporthantel). Diese haben sie mit in ihre Übungen
einbezogen. Erich Gebhardt hat in seiner aktiven Zeit als Leichtathlet sein
Krafttraining bei den Gewichthebern in Crawinkel absolviert. Dies war damals
die weit und breit einzigste Möglichkeit, Krafttraining mit Hanteln
durchzuführen. Er hat ebenfalls bei den Hebern dort das Gewichtheben
gelernt. Aus Dank, dass er dort trainieren durfte, half er in der Crawinkler
Mannschaft mit aus.

Nach einiger Zeit
der Übens entstand der Gedanke, Gewichtheben zu betreiben und es folgte nach
einem Jahr die offizieller Gründung einer Sektion Gewichtheben. Diese hat
sich der BSG Chemie Gräfenroda angeschlossen. Als offizielle Gründungstag
der Sektion Gewichtheben gilt der 10.04.1965. An diesem Tag wurde der erste
Wettkampf gegen die BSG Aufbau Elbe/Magdeburg durchgeführt. Dieser Wettkampf
fand damals in der HO Gaststätte „Deutscher Hof“ statt. Die Sektion war
somit gegründet und nun galt es die materielle Voraussetzung zu schaffen.

Materielle
Entwicklung der Sektion
Es kam natürlich ein großes
Problem auf die Gewichtheber zu. Wo bekamen sie eine Hantel her, da es in
der damaligen Zeit schwer war, Material zu bekommen. Zu diesen materiellen
Problemen kam noch dazu, dass sie aus der Turnhalle „Aula“ ausgewiesen
wurden. Sie fanden darauf dann eine Trainingsstätte in der alten
Behelfsturnhalle „Felsenkeller“. Zu diesen Sorgen gab es noch weitere
Probleme. Die Gewichtheber hatten kein Geld, um eventuell Hanteln zu kaufen.
Weiterhin mussten sie, um heben zu können, eine Wettkampfbohle beschaffen.
Um diese Probleme zu lösen, haben sich die Gewichtheber an die Arbeit
gemacht und haben viele Geräte, einschließlich der Heberbohle, drehbare
Hantelstangen und Fausthanteln selbst gebaut. So konnte jeder nach seinen
beruflichen Fähigkeiten mithelfen, die Probleme zu lösen.

Dort, wo man sich
durch eigene Arbeit helfen konnte, gab es keine Sorgen mehr. Aber das
Material für diese Geräte (z.B. Holz für die Heberbohle) war sehr teuer und
musste finanziert werden. Dazu kam, nach großen Bemühungen, die Möglichkeit
eine Hantel zu erwerben. Leider waren die BSG Chemie Gräfenroda und die
Gemeinde nicht in der Lage für diesen Erwerb aufzukommen. Zum Glück wurde
das Geld von einer Privatperson ausgelegt und dadurch gab es wieder eine
Möglichkeit, durch eigene Arbeit aller Athleten diese Schulden zu
begleichen. Durch Arbeit an Wochenenden, konnte dieses Geld nach und nach
zurückgezahlt werden. So haben die Gewichtheber der LBG Ichtershausen bei
Erntearbeiten (Rüben und Kartoffeln roten) geholfen. Durch mehrere
Wochenendeinsätze konnten die Mittel erarbeitet werden, um die Schulden
abzuzahlen.

Im Laufe der nächsten Jahre,
konnte sich unsere Sektion so entwickeln, dass sie nationale und
internationale Wettkämpfe in Gräfenroda durchführen konnte.
Dies war möglich, weil die
räumlichen Möglichkeiten vorhanden waren und der Deutsche Gewichtheber
Verband mit dem fachkundigen Publikum sehr zufrieden war. Dadurch
verbesserte sich unsere Hantelsituation erheblich, weil unsere Sektion
dadurch zwei Schwedenhanteln und eine komplette Heberbohle bekam. Damit war
das Problem der Trainings- und Wettkampfsgeräte erledigt.
Trainings – und
Wettkampfstätte
Neben den Trainings- und
Wettkampfsbedingungen ist auch eine geeignete Trainings- und Wettkampfstätte
notwendig.
Zu Beginn der sportlichen Übungen
wurden die Turnhalle „Aula“ in der Ohrdrufer Straße genutzt. Nach kurzer
Zeit wurde die Halle für das Gewichtheben gesperrt. Seit dieser Zeit
trainierten die Athleten in der Behelfshalle „Felsenkeller“. Wieder mussten
Arbeitseinsätze gemacht werden, um die Räume in einen brauchbaren Zustand zu
versetzen. (Umkleideraum einrichten, Fußboden ausbessern usw.) Durch die
gute zahlenmäßige Entwicklung der Trainingsgruppen reichte die Räumlichkeit
nicht mehr aus. Dazu kam der ständige Verfall der Turnhalle „Felsenkeller“.

Hinter der Bühne des Saales der
damaligen HO-Gaststätte „ Deutscher Hof“ befanden sich eine kleine Turnhalle
und die Räume einer ehemaligen kleinen Brauerei. Alles war jedoch in einen
unbrauchbaren Zustand. Diese Räumlichkeiten wurden der Sektion Gewichtheben
von der Gemeinde Gräfenroda angeboten. Wieder mussten umfangreiche
Bauarbeiten (z.B. komplette neue Balkenlage, Fußboden einziehen, Dach neu
decken, Wände neu putzen, Treppe anfertigen und umfangreiche Betonarbeiten
in den Brauereiräumen) durchgeführt werden. Diese Arbeiten wurden in
Feierabendarbeit ausgeführt und dauerten ca. ein Jahr. Das wurde bei vollem
Trainings- und Wettkampfbetrieb ausgeführt. Am 1.09.1969 zogen die
Gewichtheber in ihre neue Trainings- und Wettkampfstätte ein. Sie hatten in
dieser Zeit 1850 Arbeitsstunden geleistet. Durch die günstige Lage der
Trainingsräume (unmittelbar hinter der Bühne des großen Saales) und der
organisatorischen Fähigkeiten der damaligen Sektionsleitung, konnten große
nationale und internationale Wettkämpfe durchgeführt werden. Leider wurde
1971 die Bühne des Saales für die Gewichtheberveranstaltungen gesperrt, weil
in der darunter liegenden Kinodecke Risse entstanden. Diese Risse entstanden
durch die Schwingungen der Bühne beim Absetzen der Hantel.
Im Jahre 1999 war es endlich so
weit, dass die Gewichtheber aus Gräfenroda auch in einer vernünftigen
Trainings- und Wettkampfstätte, in der Turnhalle „Wolfstal“, trainieren und
kämpfen können.

Sportliche
Entwicklung der Sektion
Nach der Gründung der Sektion
stellten sich die Sportler die Aufgabe möglichst schnell das Gewichtheben zu
erlernen, um erfolgreich an Wettkämpfen teilzunehmen.
Zuerst mussten die körperlichen
Voraussetzungen geschafft und die Technik der Bewegungsabläufe der
Wettkampfübungen erlernt werden. Deshalb wurden auch im ersten Jahr noch
nicht an den ausgeschrieben Wettkämpfen teilgenommen. Durch die
hervorragende Arbeit des damaligen Sektions- und Übungsleiter Erich Gebhardt
ging es gut voran und es konnten die ersten kleineren Freundschaftskämpfe
ausgetragen werden. In diesem Jahr wurde mit Trainingsgruppen aller
Altersklassen begonnen. Obwohl es offiziell keine Wettkämpfe für Kinder gab,
wurde auch sofort eine Kindertrainingsgruppe aufgebaut.
Ab 1966 nahmen dann die Athleten
an allen ausgeschriebenen Meisterschaften, Turnieren und Mannschaftskämpfen
des Bezirkes Erfurt teil. In diesem Jahr startete auch der erste Athlet
unserer Sektion in Berlin zur 2. Kinder- und Jugendspartakiade der DDR. Der
Sportfreund Gerhard Schmermer konnte die erforderliche Normleistung
erfüllen. In den folgenden Jahren schafften regelmäßig Athleten der Sektion
Gewichtheben die Teilnahmenormen für die nationalen Meisterschaften und
Spartakiaden. Durch die gute Trainingsarbeit von Herrn Gebhardt konnten auch
bald die ersten guten Plätze erkämpft werden.

Die größten Verdienste für den
Gewichthebersport haben allerdings Herrn Gebhardt und unsere Sektion, durch
ihre Arbeit bei der Entwicklung des Kindergewichthebens, erlangen können.
Der erste Kinderwettkampf in der DDR fand in Meißen statt. Die Gegner waren
BSG Einheit Meißen gegen BSG Chemie Gräfenroda.
1969 war es, als der 1. Athlet,
mit dem 2. Platz bei der DDR-Meisterschaft der Kinder, die erste nationale
Medaille für unsere Sektion erkämpfte. Andreas Gebhardt erkämpfte sie in der
Altersklasse Kinder B. Die erste Goldmedaille und damit der erster DDR
Meister unserer Sektion wurde 1974 der Athlet Lutz Eckardt. Damit zahlte
sich die gute Arbeit mit Kindern und die Mitarbeit bei der Entwicklung des
Kinder-Gewichthebens aus.
Bei Mannschaftskämpfen wurden die
ersten Titel 1971. Sieger der Bezirksliga der Männer und 1972 Sieger bei den
Bezirkspokalkämpfen der Jugend errungen. Seit diesen Jahren war dann die
Sektion sportlich mit führend im Bezirk Erfurt. Auf Grund der schnellen
sportlichen Entwicklung wurde unsere Sektion gebeten bei der sportlichen
Arbeit und Vorbereitung der Wettkämpfe im Bezirk mit zu arbeiten. Ab 1971
wurde das Mitglied Bernhard Eckardt in den Bezirksausschuss der Sportart
Gewichtheben gewählt. Dort hat er mehrere Jahre als Vorsitzender der
Nachwuchskommission gewirkt.

Trotz dieser bis dahin guten
sportlichen Entwicklung wurde unsere Sektion aber in den Jahren 1973 und
1974 immer schwächer und stand Ende 1974 kurz vor der Auflösung. Nur wenige
Aktive trainierten noch regelmäßig. Die meisten hatten sich abgemeldet.
Grund waren Streitigkeiten in der Sektionsleitung, die sich zu
unüberbrückbaren Meinungsverschiedenheiten entwickelten.
Nach mehrmaligen Aussprachen
erklärte sich 1975 das Sektionsmitglied Bernhard Eckardt bereit, einen
Neuanfang zu versuchen. Mit acht Jugendlichen wurde wieder regelmäßig
trainiert. Es begann die erfolgreichste Zeit für unsere Sektion im
Nachwuchsbereich. Durch regelmäßige, systematische Sichtungen in der Schule
stieg die Anzahl der Kinder und Jugendlichen zeitweise bis zu 38-40
Athleten. Bis zum Jahr 1990 konnten, neben unzähligen Bezirksmeistertiteln
und Bezirks-Spartakiaden Siegern, fünf DDR-Meistertitel erkämpft werden. Der
1. Platz bei den Bezirksligakämpfen der Erwachsenen wurde 5-mal und bei der
Jugend 7-mal erkämpft. Bei den Pokalkämpfen der Jugend B wurde 5-mal der 1.
Platz erreicht. Die größten sportlichen Erfolge erreichten aber die Kinder.
Als Bezirkspokalsieger konnten sie sich unsere Kindermannschaft 2-mal
(1978,1980) für den Endkampf um den Pionierpokal der DDR qualifizieren. An
dem Endkampf nahmen die sechs besten Kindermannschaften der DDR teil.

Neben den guten
Wettkampfergebnissen, konnte auch einigen Kindern unserer Sektion, die
Aufnahme eines Leistungstrainings an der Kinder- und Jugendsportschule des
SC Motor Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz) ermöglicht werden. Das waren
folgende Athleten, Lutz Eckardt, Frank Romeiß, Dietmar Kellner, Steffen
Leibecher und Peter Gürth.
Alle Mannschaftsmitglieder
unserer heutigen 2. Bundesliga Mannschaft begannen mit dem Gewichtheben in
den beschriebenen Jahren.

Nationale und
Internationale Großveranstaltungen
Durch die günstigen räumlichen
Bedingungen der Trainings- und Wettkampfstätte, Vorbereitungsräume zum
Erwärmen und Einheben der Athleten unmittelbar hinter der Bühne des Saales,
sowie der Fähigkeit der damaligen Sektionsleitung Großveranstaltungen zu
organisieren, war der Deutsche Gewichtheber Verband, der DDR an
Großveranstaltungen in Gräfenroda interessiert. Nicht zuletzt wegen der
zahlreichen und sachkundigen Zuschauer. In Gräfenroda fanden folgende
nationale und Internationale Gewichtheberwettkämpfe statt.
02.06.1967 Junioren
Länderkampf der DDR gegen CSSR
18.10.1969 1. DDR
Meisterschaften der Kinder A/B
18.10.1969 DDR
Meisterschaft der Junioren
22.11.1969 Länderkampf DDR
gegen Lettische SSR
16./17.04.1971 DDR Meisterschaft
der Junioren

Neben neuen DDR Rekorden, wurde
beim Länderkampf DDR gegen Lettische SSR durch den lettischen Athleten
Gennadi Iwanschenkow ein neuer Weltrekord im Dreikampf (Drücken, Reißen und
Stoßen) mit 492,50 kg aufgestellt.

Gennadi Iwanschenkow bei einen seiner Versuche in
Gräfenroda.