SV 90 Gräfenroda e. V.
Sektion Gewichtheben
Chronik
Die Entwicklung des Gewichthebens in Gräfenroda Anfang der 60iger Jahre, im vergangenen Jahrhundert machten sich die beiden ehemaligen aktiven Sportler Ernst Bauß und Sportlehrer Erich Gebhardt darüber Gedanken, für ehemalige aktive Sportler eine Möglichkeit zum Sporttreiben zu finden. Der Sportler Ernst Bauß (Verkäufer im Musikhaus Arnstadt) war ein ehemaliger Fußballer. Der Sportfreund Erich Gebhardt (Sportlehrer) war ein Leichtathlet/ Kugelstoßer. Die beiden Athleten hatten versucht Menschen zu finden, die dieselben Interessen hatten. Dies gelang den beiden und somit konnten sie die erste Trainingsstunde starten. Sie haben zuerst mit allgemeinen Sportübungen begonnen, wie z.B. Ballspielen, Bodenturnen und viele andere Übungen. Bei ihren Aktivitäten fanden sie alte Kraftsportgeräte (Kugelhantel und eine alte Turnsporthantel). Diese haben sie mit in ihre Übungen einbezogen. Erich Gebhardt hat in seiner aktiven Zeit als Leichtathlet sein Krafttraining bei den Gewichthebern in Crawinkel absolviert. Dies war damals die weit und breit einzigste Möglichkeit, Krafttraining mit Hanteln durchzuführen. Er hat ebenfalls bei den Hebern dort das Gewichtheben gelernt. Aus Dank, dass er dort trainieren durfte, half er in der Crawinkler Mannschaft mit aus. Nach einiger Zeit der Übens entstand der Gedanke, Gewichtheben zu betreiben und es folgte nach einem Jahr die offizieller Gründung einer Sektion Gewichtheben. Diese hat sich der BSG Chemie Gräfenroda angeschlossen. Als offizielle Gründungstag der Sektion Gewichtheben gilt der 10.04.1965. An diesem Tag wurde der erste Wettkampf gegen die BSG Aufbau Elbe/Magdeburg durchgeführt. Dieser Wettkampf fand damals in der HO Gaststätte „Deutscher Hof“ statt. Die Sektion war somit gegründet und nun galt es die materielle Voraussetzung zu schaffen. Materielle Entwicklung der Sektion Es kam natürlich ein großes Problem auf die Gewichtheber zu. Wo bekamen sie eine Hantel her, da es in der damaligen Zeit schwer war, Material zu bekommen. Zu diesen materiellen Problemen kam noch dazu, dass sie aus der Turnhalle „Aula“ ausgewiesen wurden. Sie fanden darauf dann eine Trainingsstätte in der alten Behelfsturnhalle „Felsenkeller“. Zu diesen Sorgen gab es noch weitere Probleme. Die Gewichtheber hatten kein Geld, um eventuell Hanteln zu kaufen. Weiterhin mussten sie, um heben zu können, eine Wettkampfbohle beschaffen. Um diese Probleme zu lösen, haben sich die Gewichtheber an die Arbeit gemacht und haben viele Geräte, einschließlich der Heberbohle, drehbare Hantelstangen und Fausthanteln selbst gebaut. So konnte jeder nach seinen beruflichen Fähigkeiten mithelfen, die Probleme zu lösen. Dort, wo man sich durch eigene Arbeit helfen konnte, gab es keine Sorgen mehr. Aber das Material für diese Geräte (z.B. Holz für die Heberbohle) war sehr teuer und musste finanziert werden. Dazu kam, nach großen Bemühungen, die Möglichkeit eine Hantel zu erwerben. Leider waren die BSG Chemie Gräfenroda und die Gemeinde nicht in der Lage für diesen Erwerb aufzukommen. Zum Glück wurde das Geld von einer Privatperson ausgelegt und dadurch gab es wieder eine Möglichkeit, durch eigene Arbeit aller Athleten diese Schulden zu begleichen. Durch Arbeit an Wochenenden, konnte dieses Geld nach und nach zurückgezahlt werden. So haben die Gewichtheber der LBG Ichtershausen bei Erntearbeiten (Rüben und Kartoffeln roten) geholfen. Durch mehrere Wochenendeinsätze konnten die Mittel erarbeitet werden, um die Schulden abzuzahlen. Im Laufe der nächsten Jahre, konnte sich unsere Sektion so entwickeln, dass sie nationale und internationale Wettkämpfe in Gräfenroda durchführen konnte. Dies war möglich, weil die räumlichen Möglichkeiten vorhanden waren und der Deutsche Gewichtheber Verband mit dem fachkundigen Publikum sehr zufrieden war. Dadurch verbesserte sich unsere Hantelsituation erheblich, weil unsere Sektion dadurch zwei Schwedenhanteln und eine komplette Heberbohle bekam. Damit war das Problem der Trainings- und Wettkampfsgeräte erledigt.   Trainings – und Wettkampfstätte Neben den Trainings- und Wettkampfsbedingungen ist auch eine geeignete Trainings- und Wettkampfstätte notwendig. Zu Beginn der sportlichen Übungen wurden die Turnhalle „Aula“ in der Ohrdrufer Straße genutzt. Nach kurzer Zeit wurde die Halle für das Gewichtheben gesperrt. Seit dieser Zeit trainierten die Athleten in der Behelfshalle „Felsenkeller“. Wieder mussten Arbeitseinsätze gemacht werden, um die Räume in einen brauchbaren Zustand zu versetzen. (Umkleideraum einrichten, Fußboden ausbessern usw.) Durch die gute zahlenmäßige Entwicklung der Trainingsgruppen reichte die Räumlichkeit nicht mehr aus. Dazu kam der ständige Verfall der Turnhalle „Felsenkeller“.   Hinter der Bühne des Saales der damaligen HO-Gaststätte „ Deutscher Hof“ befanden sich eine kleine Turnhalle und die Räume einer ehemaligen kleinen Brauerei. Alles war jedoch in einen unbrauchbaren Zustand. Diese Räumlichkeiten wurden der Sektion Gewichtheben von der Gemeinde Gräfenroda angeboten. Wieder mussten umfangreiche Bauarbeiten (z.B. komplette neue Balkenlage, Fußboden einziehen, Dach neu decken, Wände neu putzen, Treppe anfertigen und umfangreiche Betonarbeiten in den Brauereiräumen) durchgeführt werden. Diese Arbeiten wurden in Feierabendarbeit ausgeführt und dauerten ca. ein Jahr. Das wurde bei vollem Trainings- und Wettkampfbetrieb ausgeführt. Am 1.09.1969 zogen die Gewichtheber in ihre neue Trainings- und Wettkampfstätte ein. Sie hatten in dieser Zeit 1850 Arbeitsstunden geleistet. Durch die günstige Lage der Trainingsräume (unmittelbar hinter der Bühne des großen Saales) und der organisatorischen Fähigkeiten der damaligen Sektionsleitung, konnten große nationale und internationale Wettkämpfe durchgeführt werden. Leider wurde 1971 die Bühne des Saales für die Gewichtheberveranstaltungen gesperrt, weil in der darunter liegenden Kinodecke Risse entstanden. Diese Risse entstanden durch die Schwingungen der Bühne beim Absetzen der Hantel. Im Jahre 1999 war es endlich so weit, dass die Gewichtheber aus Gräfenroda auch in einer vernünftigen Trainings- und Wettkampfstätte, in der Turnhalle „Wolfstal“, trainieren und kämpfen können.    Sportliche Entwicklung der Sektion Nach der Gründung der Sektion stellten sich die Sportler die Aufgabe möglichst schnell das Gewichtheben zu erlernen, um erfolgreich an Wettkämpfen teilzunehmen. Zuerst mussten die körperlichen Voraussetzungen geschafft und die Technik der Bewegungsabläufe der Wettkampfübungen erlernt werden. Deshalb wurden auch im ersten Jahr noch nicht an den ausgeschrieben Wettkämpfen teilgenommen. Durch die hervorragende Arbeit des damaligen Sektions- und Übungsleiter Erich Gebhardt ging es gut voran und es konnten die ersten kleineren Freundschaftskämpfe ausgetragen werden. In diesem Jahr wurde mit Trainingsgruppen aller Altersklassen begonnen. Obwohl es offiziell keine Wettkämpfe für Kinder gab, wurde auch sofort eine Kindertrainingsgruppe aufgebaut. Ab 1966 nahmen dann die Athleten an allen ausgeschriebenen Meisterschaften, Turnieren und Mannschaftskämpfen des Bezirkes Erfurt teil. In diesem Jahr startete auch der erste Athlet unserer Sektion in Berlin zur 2. Kinder- und Jugendspartakiade der DDR. Der Sportfreund Gerhard Schmermer konnte die erforderliche Normleistung erfüllen. In den folgenden Jahren schafften  regelmäßig Athleten der Sektion Gewichtheben die Teilnahmenormen für die nationalen Meisterschaften und Spartakiaden. Durch die gute Trainingsarbeit von Herrn Gebhardt konnten auch bald die ersten guten Plätze erkämpft werden. Die größten Verdienste für den Gewichthebersport haben allerdings Herrn Gebhardt und unsere Sektion, durch ihre Arbeit bei der Entwicklung des Kindergewichthebens, erlangen können. Der erste Kinderwettkampf in der DDR fand in Meißen statt. Die Gegner waren BSG Einheit Meißen gegen BSG Chemie Gräfenroda. 1969 war es, als der 1. Athlet, mit dem 2. Platz bei der DDR-Meisterschaft der Kinder, die erste nationale Medaille für unsere Sektion erkämpfte. Andreas Gebhardt erkämpfte sie in der Altersklasse Kinder B. Die erste Goldmedaille und damit der erster DDR Meister unserer Sektion wurde 1974 der Athlet Lutz Eckardt. Damit zahlte sich die gute Arbeit mit Kindern und die Mitarbeit bei der Entwicklung des Kinder-Gewichthebens aus. Bei Mannschaftskämpfen wurden die ersten Titel 1971. Sieger der Bezirksliga der Männer und 1972 Sieger bei den Bezirkspokalkämpfen der Jugend errungen. Seit diesen Jahren war dann die Sektion sportlich mit führend im Bezirk Erfurt. Auf Grund der schnellen sportlichen Entwicklung wurde unsere Sektion gebeten bei der sportlichen Arbeit und Vorbereitung der Wettkämpfe im Bezirk mit zu arbeiten. Ab 1971 wurde das Mitglied Bernhard Eckardt in den Bezirksausschuss der Sportart Gewichtheben gewählt. Dort hat er mehrere Jahre als Vorsitzender der Nachwuchskommission gewirkt.   Trotz dieser bis dahin guten sportlichen Entwicklung wurde unsere Sektion aber in den Jahren 1973 und 1974 immer schwächer und stand Ende 1974 kurz vor der Auflösung. Nur wenige Aktive trainierten noch regelmäßig. Die meisten hatten sich abgemeldet. Grund waren Streitigkeiten in der Sektionsleitung, die sich zu unüberbrückbaren Meinungsverschiedenheiten entwickelten. Nach mehrmaligen Aussprachen erklärte sich 1975 das Sektionsmitglied Bernhard Eckardt bereit, einen Neuanfang zu versuchen. Mit acht Jugendlichen wurde wieder regelmäßig trainiert. Es begann die erfolgreichste Zeit für unsere Sektion im Nachwuchsbereich. Durch regelmäßige, systematische Sichtungen in der Schule stieg die Anzahl der Kinder und Jugendlichen zeitweise bis zu 38-40 Athleten. Bis zum Jahr 1990 konnten, neben unzähligen Bezirksmeistertiteln und Bezirks-Spartakiaden Siegern, fünf DDR-Meistertitel erkämpft werden. Der 1. Platz bei den Bezirksligakämpfen der Erwachsenen wurde 5-mal und bei der Jugend 7- mal erkämpft. Bei den Pokalkämpfen der Jugend B wurde 5-mal der 1. Platz erreicht. Die größten sportlichen Erfolge erreichten aber die Kinder. Als Bezirkspokalsieger konnten sie sich unsere Kindermannschaft 2-mal (1978,1980) für den Endkampf um den Pionierpokal der DDR qualifizieren. An dem Endkampf nahmen die sechs besten Kindermannschaften der DDR teil. Neben den guten Wettkampfergebnissen, konnte auch einigen Kindern unserer Sektion, die Aufnahme eines Leistungstrainings an der Kinder- und Jugendsportschule des SC Motor Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz) ermöglicht werden. Das waren folgende Athleten, Lutz Eckardt, Frank Romeiß, Dietmar Kellner, Steffen Leibecher und Peter Gürth. Alle Mannschaftsmitglieder unserer heutigen 2. Bundesliga Mannschaft begannen mit dem Gewichtheben in den beschriebenen Jahren.    Nationale und Internationale Großveranstaltungen Durch die günstigen räumlichen Bedingungen der Trainings- und Wettkampfstätte, Vorbereitungsräume zum Erwärmen und Einheben der Athleten unmittelbar hinter der Bühne des Saales, sowie der Fähigkeit der damaligen Sektionsleitung Großveranstaltungen zu organisieren, war der Deutsche Gewichtheber Verband, der DDR an Großveranstaltungen in Gräfenroda interessiert. Nicht zuletzt wegen der zahlreichen und sachkundigen Zuschauer. In Gräfenroda fanden folgende nationale und Internationale Gewichtheberwettkämpfe statt.   02.06.1967        Junioren Länderkampf der DDR gegen CSSR 18.10.1969        1. DDR Meisterschaften der Kinder A/B 18.10.1969        DDR Meisterschaft der Junioren 22.11.1969        Länderkampf DDR gegen Lettische SSR 16./17.04.1971  DDR Meisterschaft der Junioren   Neben neuen DDR Rekorden, wurde beim Länderkampf DDR gegen Lettische SSR durch den lettischen Athleten Gennadi Iwanschenkow ein neuer Weltrekord im Dreikampf (Drücken, Reißen und Stoßen) mit 492,50 kg aufgestellt.     Gennadi Iwanschenkow bei einen seiner Versuche in Gräfenroda.